Thomas Hitschler ist Bundestagsabgeordneter aus der Südpfalz und hat einen Internethit gelandet

Ambitionen und witzige Ideen

Landau. Ein Aprilscherz ist sein bislang größter Coup - zumindest in Sachen Aufmerksamkeit. Am 1. April veröffentlichte Thomas Hitschler einen Videomitschnitt einer seiner Bundestagsreden mit pfälzischen Untertiteln. Der SPD-Abgeordnete stellte das Video auf seine Homepage, auf Youtube und Facebook, und es verbreitete sich schnell: Fast 1800 Mal haben Internetnutzer bisher angesehen, wie Hitschlers Beitrag zum Nato-Bündnisfall "Operation Active Endeavour" mit Bratwurststand- und Weinfest-Analogien übersetzt wird.

 

Da wird die Mitgliedschaft in der NATO mit der in einem Fußballverein verglichen - genau: mit der im FCK. Und wenn Hitschler den Vorschlag der Linken, den Bündnisfall zur Not unilateral für beendet zu erklären, als "kreative Idee" bezeichnet, meint er eigentlich: "Fär so ä Idee muss ma schunn, saache ma mo, ä paar Schorle im Kopp hann" - denn: Wenn Deutschland alleine aussteigt, "kemma des mid der Deffensive de Haase gäwwe".

 

Die Idee zum Video der "Stimme der Pfalz in Berlin" hatte einer von Hitschlers Mitarbeitern, und sie kam so gut an, dass viele nicht wahrhaben wollten, dass es sich um eine einmalige Aktion handelte. "Aber das könnten wir zeitlich gar nicht leisten", sagt Hitschler. Und schiebt dann hinterher: "Außerdem ist der Bundestag ja kein Spaßparlament."

 

Nur mit lustigen Ideen schafft man es eben nicht ins deutsche Parlament, schon gar nicht mit 31. Das Ziel, sagt der Frankweilerer, habe er schon lange gehabt. Als die SPD Südpfalz 2009 einen Vorsitzenden suchte, kandidierte er. Der Neue sollte später auch die Chance bekommen, Abgeordneter zu werden. Also kämpfte Hitschler, stellte sich bei fast allen 79 Ortsvereinen persönlich vor, diskutierte mit den Genossen - und gewann. Vor der Bundestagswahl wiederholte er die Wahlkampf-Tournee, trotz sicherem Listenplatz. "Das ist unglaublich anstrengend. Aber ich will die Arbeit an der Basis ernst nehmen."

 

Ein halbes Jahr ist er nun dabei, und mittlerweile, sagt er, fühle er sich tatsächlich als "Repräsentant des Volkes". Es klingt ein wenig abgeklärt, und so soll es wohl auch klingen. Dass er aber gerade erst dabei ist, die Welt des Bundestags zu entdecken, davon zeugen Hitschlers spontane Posts in sozialen Netzwerken. Sofort nach seiner dritten Rede schreibt er aufgekratzt: "Es fühlt sich immer noch ultrahammerdeluxecool an!"

 

Es macht ihn stolz, dass er schon dreimal ans Rednerpult treten durfte, das ist zu spüren. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses wurde er vom Sprecher seiner Arbeitsgruppe gefragt, ob er eine Rede zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr halten wolle. Hitschler sprach sich für den Einsatz aus. "Danach dachte ich mir, ich sollte mir das auch mal anschauen." Er nahm an einer dreitägigen Reise nach Kabul und Mazar-i-Sharif teil. "Da saß ich dann in gepanzerten Fahrzeugen und musste eine Splitterschutzweste tragen - das ist kein Spaß. Aber es war sehr lehrreich."

 

Doch so interessant die Verteidigungspolitik auch ist, seine Heimat stehe an erster Stelle, sagt Hitschler. Gerade hat er mit einem Vertreter eines großen Supermarkts gesprochen, der geschlossen werden soll: "Ich versuche, einen Nachfolger zu finden." Eine zweite Rheinbrücke bei Karlsruhe und die Energiewende sind zwei große Themen, die ihn umtreiben. Zeit für Privates bleibt ihm bei all den Terminen kaum. Wenn er in Berlin ist, sind 70- bis 100-Stunden-Wochen die Regel. "Ich hab' sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir mal einen freien Tag nehme", sagt er. Das mit der Work-Life-Balance, das müsse er noch lernen.

 

"Habe noch viel vor"

Gibt es ein Ziel, auf das er hinarbeitet? Der 31-Jährige lächelt - und weicht aus: "Ich möchte erst mal meine Arbeit als Abgeordneter gut machen. Da habe ich noch viel vor." Seine Mitschüler hatten da vor zwölf Jahren schon konkretere Vorstellungen: "In unserem Abibuch steht, dass ich mal Außenminister werde", sagt Hitschler und lacht.

 

 

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Simone Sohl

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